Queréls Start ins Leben ist kein leichter. Alles andere flutscht auch nicht gerade. Doch man merkt dem kleinen Rabenjungen nichts an. Die Melodie eines Klageliedes kennt er nicht. Er packt das Leben bei den Hörnern und erlebt ein aufregendes Abenteuer. Und er ist nicht allein!
Eine Geschichte über’s Anderssein und darüber, dass das Anderssein ganz normal, ja sogar erstrebenwert ist, und es sich obendrein in etwas Besonderes verwandelt, wenn man nur richtig damit umgeht! Und darüber, wie Freunde, ob normal oder
anders, für einander immer etwas Besonderes bedeuten, egal wie gewöhnlich oder wie aufregend die Zeiten sind!
Los geht's!

Es geschah zu einer Zeit, die niemand heut’ noch nennen kann, an einem Ort, der so sehr anderen Orten ähneln mag, sodass niemand Genaueres weiß, geschweige denn, die Welt zu benennen, in deren Gefilden unsere Geschichte vielleicht passierte.
Doch soviel ist sicher:
In einem durchschnittlich romantischen Hain, nahe einem gewöhnlich großen Waldbach, der an einer Allerwelts-Waldlichtung in einen üblich gebauten See überging, lebte eine große Schar an Raben. Es waren nicht mehr und nicht weniger, als in jeder anderen Rabensippe. Es gab die Ältesten, die weise waren. Die konnte man fragen, wenn man alltägliche Probleme hatte. Die waren so alt, dass es kaum eine Schwierigkeit gab, um deren Lösung sie verlegen waren.
Es gab krähfreudige, die sich prima als Stillepostkuriere eigneten. Die musste es ja auch geben. Raben können zwar lesen, aber es liegt ja sehr nahe, dass sie kaum des Schreibens fähig sind. Dann gab es da noch die Gescheiten. Ziemlich altkluge Schwarzfedern, die vieles zu lehren hatten und die Rabenjugend mit traditionellem Wissen versorgten. Es gab die Nestbauer, die Futterstellenwisser, die Kornhöhlenwächter und die Gefahrenspäher. Fiese Nestneider waren eher selten, aber auch das kam einmal vor. Jene ertappten Krachschnäbel lebten fortan im Exil.
Alles an dieser Rabenschar war gewöhnlich. Die Welt in der sie lebten, die Gepflogenheiten, die Rabentraditionen und auch die typischen Verrücktheiten der kleinen Schwarzfedern.
Nur einer war nicht in solch eine alt vertraute Gewöhnlichkeit zu stecken. Der Nachkömmling von Quaráh und Querégean. Schon als Ei war er schwerlich zu legen gewesen. Quaráh hatte ihre rechte Müh’ damit, das Ei schließlich einmal der neugierigen Rabensippe preiszugeben. Als es dann, ziemlich unpünktlich, doch klappen wollte, fiel Querél in seiner Kalkhülle aus dem Nest. Denn was vorher eine rechte Mühsal war, floppte ohne weitere Ankündigung plötzlich hervor und widersetzte sich allen Gesetzen des Rabenreiches. Es raste schnurstracks auf die Nestwand zu, krachte dagegen und einmal so in Fahrt, kullerte das Ei über das besagte Nest hinaus und liebkoste mehrmals die Baumrinde.
Während seines Sturzes, unabänderlich in Richtung spärlich bemoostem Wiesenboden, gingen den verdutzten Eltern viele besorgte Gedanken durch den Kopf. Am karg bewachsenen Wiesenboden wuchs ein prächtiger Fliegenpilz und darauf landete das Ei, das die Pilzsporen nur so durch die Luft wirbelten. Man möchte an üppiges Glück denken, dass dass so geschah, denn der Sturz war reichlich heftig. So blieb das Ei eine klitzekleine Weile auf dem unglücklichen Fliegenpilz liegen, kullerte dann aber zu Boden und verhielt sich fortan, wie es jedes frisch gelegte Ei tun würde, das gerade die wohlig und in vieler Müh hergerichtete Gemütlichkeit des Nestes nennenswert verfehlt hatte.
Natürlich trugen alle dazu bei, das fluchtfreudige Ei wieder dorthin zu tragen, wo man es, der Regel nach und einigermaßen komfortabel ausbrüten konnte.
Die Grillen zirpten, wie immer, die Sonne stand am Himmel, dort wo man sie um diese Jahreszeit erwartet hätte und der Bach versorgte alle mit der selben Menge an Fischen und Plätschergehabe, wie jeden Tag davor auch. Es war ein herrlich gewöhnlicher Tag, als Querél seine Eierschale von innen anpickte und sich ins Leben aller geschlüpften Rabengeschöpfe kämpfte.
Die Aufmerksamkeit all seiner Sippengenossen war ihm gewiss. Schließlich erwartete man seine Eipelle schon seit geraumer Zeit. Als er sich, gut bewacht, seiner Eierschale vollends entledigte, ging ein überraschtes Gekrächze durch die Sippe.
Querél war bereits zu seinem allerersten Erscheinen, keiner, den man je verwechseln konnte. Natürlich war er glänzend schwarz, wie alle Raben, er hatte Flügel und wohlgeratene, sattgelbe Rabenbeine. Alles ganz prächtig gebaut. Der Schnabel aber, hm ja, der war gestreift! Nicht gnädigerweise in Rabenschnabelfarben oder anderen dezenten Möglichkeiten. Nein, sein Schnabel war rot und weiß gestreift. Ganz sorgfältig hatten sich diese fröhlichen Streifen quer über seinen Schnabel gelegt. Was für ein Anblick!
Selbst Oma Quiella, deren Sehkraft arg nachgelassen hatte und die noch dazu auf dem hintersten Ast saß, konnte ein erschrockenes Kriiek nicht mehr rechtzeitig verkneifen.
„Das kann doch nicht wegen dem Sturz aus dem Nest sein.“, überlegte Papa Querégean, der seine rechte Mühe damit hatte, sich an den Anblick seines Sprosses zu gewöhnen.
„Na, das nenn’ ich mal ausgefallen!“, meinte Quawél, ein Stillepostkurier, der flugs von dannen flog, um diese ungeheuerliche Neuigkeit als erster zu verbreiten.
„Ist ja fürchterlich!“, krächzte einer aus der hintersten Astreihe.
„Ein schreckliches Oooomen!“, jaulte Quidda, einer der Älteren.
Und allerhand mehr solcher Ausrufe drangen aus dem Gekrächze. Es wurde arg geschubst, denn jeder wollte das zweifelhafte Wunder einmal ganz aus der Nähe betrachten.
Querégean und Quaráh jedoch, geboten dem Tumult schließlich Einhalt. Sie legten beide ihre Flügel über das Nest, in dem Querél mit weit gespreizten Flügeln und Beinchen da hockte und versuchte, nicht umzuplumpsen. Ganz verängstigt und mit großen Augen, trachtete er danach, das Geschehen um sich herum zu begreifen. Als sich die elterlichen Flügel über das Rabenküken legten, war ihm um Einiges wohler. Es war ein bisschen so, als wäre er wieder in seinem Ei. So schlief er ein, genüsslich an seiner Daumenfeder nuckelnd.
Ein Sonnenstrahl kitzelte Querél ein Weilchen später wieder wach. Er schielte über seinen gestreiften Schnabel in den blauen Nachmittagshimmel. Der Anblick aus dieser Perspektive glich ein bisschen dem einer Startbahn, direkt in den blauen Himmel hinein. Er musste kichern, denn ihm gefiel sein bunter Schnabel.
Die aufgebrachten Rabengenossen waren allesamt verschwunden. Nur das vertraute Geräusch der Grillen war zu hören.
Da drangen gedämpfte Stimmen an sein Ohr.
„Es ist wegen dem Sturz.“, sagte Querégean.
„Aber Liebling, wie kann ein Sturz, wenn auch so ein heftiger, so einen Schnabel verursachen? Da muss etwas anderes passiert sein!“, beharrte Quaráh.
„Ja, heftig war der Sturz allemal. Wäre da der Pilz nicht gewesen ... nicht auszudenken!“ Querégeans Gefieder plusterte sich bei diesem Gedanken auf.
„Ach ja, der Fliegenpilz. Weißt du was? Das ist es!“, rief Quaráh. „An den Fliegenpilz habe ich gar nicht mehr gedacht! Damit muss es etwas zu tun haben.“ Sie blickte ihrem Rabengemahl aufgeregt in die Augen.
„Du meinst, die Farben kommen von diesem Pilz?“ Das wurde ja immer verrückter, aber es war ja nicht von der Feder zu weisen. Ein Fliegenpilz war schließlich das Einzige weit und breit, das so rot und weiß war, wie der Schnabel seines Sohnes.
„Wie auch immer“, sagte er. „Es ist, wie es ist. Mein Stolz könnte nicht größer sein, wäre sein Schnabel normal geraten.“
Beide Eltern blickten liebevoll zum Nest. Queréls Blick wanderte von seiner Ma zu seinem Pa und sein Herz war prallvoll mit Liebe gefüllt.

Als nun die Zeit kam, da die Blüten an den Bäumen des Haines verblüht waren und das Grün der Blätter satt und saftig war, wurde Querél flügge. Er verließ zum allerersten Mal sein Nest. Das wurde auch Zeit, denn er bekam ganz fürchterliche Langeweile. Da war eine ungeheuer große Welt und Querél wollte alles darüber wissen. Wer konnte schon ahnen, dass dieses wichtige Ereignis im Leben eines jungen Raben, mindestens genauso spektakulär werden würde, wie der Tag, an dem er gelegt worden war.
Seine Eltern waren Futterstellenwisser und waren von dannen geflogen, um neue Gefilde zu ergründen.Tante Quabéa, die ihn eigentlich mit Adleraugen bewachen sollte, war derart damit beschäftigt, eine Möglichkeit des Spiegelns zu finden, dass sie Querél völlig vergaß. Sie war sehr eitel.
Also war dies eine ausgesprochen günstige Gelegenheit, für einen kleinen Raben, der sich nichts sehnlicher wünschte, als sich selbst durch die Lüfte zu tragen, die Wolken zu durchstoßen und nach den Sternen zu greifen.
Als er mit wackligen Beinen aus dem Nest heraus und auf dem knorrigen Ast kletterte, hinunter in den Abgrund blickend, erwachten große Zweifel in ihm. Warum sah das soviel tiefer aus, als vom Nest heraus betrachtet? Er legte einen Flügel über sein Gesicht, so dass nur der gestreifte Schnabel zu sehen war. Zaghaft hob er ein oder zwei Federn an und spähte mit einem Auge in die Tiefe. Nein, es wurde nicht besser. Vielleicht war das doch keine so kluge Idee gewesen und er wollte lieber warten, bis seine Eltern wieder da waren.
Plötzlich flog eine Schar Rabenkinder über ihm vorbei und fing an, den verdutzten Querél mit spottendem Gelächter zu umkreisen.
„Ringelschnute, Ringelschnuuute!“, riefen sie.
Diese Hintertücke erschreckte den kleinen Raben so sehr, dass er den Halt verlor und ziemlich ungalant und rücklings, wild mit den Flügeln fuchtelnd, vom heimischen Ast fiel. Vorbei an dickem Gezweig und verfolgt von den krächzenden Rabenkindern, erlebte Querél den zweiten Sturz in seinem jungen Leben. Es war eine rasante Sausefahrt in die Tiefe.

Er hoffte sehr, dass es nicht allzu sehr wehtun möge. Doch seine Flügel begannen, sich eigenständig zu machen. Sie wuselten erst ganz wüst und unförmig in der Luft herum, dann schlugen sie mit einem Mal im Gleichtakt und hoben den kleinen Rabenkörper wieder in die Höhe. Als Querél den Hals ganz lang machte und den Schnabel weit hervorstreckte, fand er heraus, dass er auf diese Weise auch ganz bequem vorwärts fliegen konnte. Als er das Geäst des Baumes hinter sich gelassen hatte, erstreckte sich vor ihm eine ganz neue Welt. Er hob sich höher in den Himmel und genoss mit großem Staunen den wunderbaren Anblick der Landschft unter ihm.
Als sich seine Flügel allmählich wie Blei anfühlten, begriff er, dass das Fliegen seinen ungeübten Flügelchen ziemlich viel Kraft kostete. Er zog sie an seinen Körper heran, klappte die Schwanzfedern zusammen und los ging der Sturzflug. Ein paar Meter von der Mooswiese entfernt, breitete er seine Schwingen wieder aus und landete stolpernd auf dem Erdreich. Zum allerersten Mal berührten seine Füßchen den Boden. Und hatte sich Querél in der Luft da oben, noch so groß gefühlt, so erkannte er nun, wie klein er wirklich war. Kaum dass er über die Grashalme blicken konnte, saß er ziemlich atemlos da. Zu fliegen war ja zehnmal besser, als vom Nest aus nach Mücken zu schnappen!
Die dreiste Rabenkinderschar war bereits, bis auf einen, von dannen geflüchtet, denn sie fürchteten um die Strafe. Dieser eine aber versteckte sich hinter einem dicken Baumstamm und linste zu Querél hinüber. Er hieß Quábax und er hatte den Flug beobachtet. Er war heilfroh, dass Querél unversehrt geblieben war. Das hätte ja auch ins Auge gehen können. Quábax schämte sich, dass er bei diesem Streich mitgemacht hatte. Er war auch mächtig beeindruckt von den Flugmanövern, die Querél, bis auf die Landung, vollführt hatte. Quábax kam aus seinem Versteck hervor und hüpfte flügelschlagend zu Querél.
„Ich tu mich entschuldigen müssen!“, sagte Quábax ganz leise und scharrte mit den Krallen im trockenen Gras, die Flügel verschämt im Rücken verschränkt.
Querél blickte ihn, noch gänzlich atemlos, an.
„Wieso?“, fragte er.
„Ich war dabei.“ Es kostete Quábax’ ganzen Mut, das zu sagen.
Queréls Geist aber war noch oben in den Lüften, versuchte zu begreifen, dass er gerade eben einen ganz fürchterlich wichtigen Schritt getan hatte. Das Gespött und den Schrecken hatte er gänzlich vergessen.
„Oh! Ähm ja. Warum tut ihr so was?“, fragte er.
Quábax war nun sehr unwohl zumute, denn hierauf hatte er keine brauchbare Antwort.
„Weiß nich’!“, flüsterte er. „Hab nich’ nachgedacht. Mama sagt, ich mach das viel zu oft.“
„Was machst Du viel zu oft?“
„Na, nich’ nachdenken! Aber dass dir was passieren tut, das hab’ ich nich’ gewollt!“, sprudelte er hervor.
„Ist okay. Was ist eine Ringelschnute?“, fragte Querél.
Das war jetzt wirklich heikel.
„Sie finden’s lustig, dass dein Schnabel so ulkig aussieht.“
“Findest du das auch?“
„Ummm, ja!“
„Ist ulkig was Gutes?“
„Weiß nich’, denke schon. Wenn was ulkig is’, muss man lachen und das ist dann doch gut, oder?“
„Das hat mir aber wehgetan. Vielleicht ist es nur gut für die, die lachen.“, sagte Querél, der nicht wirklich davon überzeugt war, das ulkig gut war.
Quábax hatte das dringende Verlangen, etwas wieder gut zu machen. Und ihm fiel etwas ein, das sogar ehrlich war.
„Bist aber klasse geflogen!“
„Echt?“ Querél machte seine erste Bekanntschaft mit dem Stolz. Das war toll!
„Ja schon! War das dein erster Flug?“
„Ja.“
„Boah! Hättest mich mal sehen sollen. Ich hatte Glück, dass wir ziemlich unten wohnen. Weiß aber keiner!“ Das Quábax das jemals zugeben würde, lag weit außerhalb seiner Vorstellungskraft. Vor den anderen hätte er das wohl kaum zugegeben. Doch das hier war anders. Quábax lernte ein neues Gefühl kennen: jemandem zu vertrauen.
Und Querél erkannte dieses Vertrauen. Er war sehr dankbar dafür und würde dieses Geheimnis, das sie nun teilten, gut behüten.
Als der Sommer dem farbenfrohen Herbst wich, war es an der Zeit, dass Querél die Gescheiten besuchen sollte. Schule! Darauf hatte er sich ungeduldig gefreut. Er wollte unbedingt mehr wissen. Warum alles so funktionierte, was um seine kleine Welt herum geschah. Ein bisschen Bammel hatte er schon. Die Gescheiten waren bekannt für eine gewisse Strenge und Querél hatte seit seiner Eipelle enormes Muffensausen vor allen Älteren. Außer seiner Ma und seinem Pa. Die waren echt in Ordnung! Sie hatten ihn ordentlich gescholten, weil er alleine seinen ersten Flug gemacht hatte. Quaráh hatte sogar geweint, weil sie seinen ersten Flug nicht gesehen hatte. Aber sie waren mächtig stolz auf ihren Jungen. Querégean prahlte damit, wie geschickt sein Spross die Manöver nahm.
Querél hatte den gesamten Sommer viel Zeit mit Quábax verbracht. Dass Quábax durch seine Freundschaft zu ihm, all seine anderen Freunde verlor und trotzdem fest zu ihm hielt, wusste Querél sehr zu schätzen. Er hoffte, es möge einmal der Augenblick kommen, da er seine Dankbarkeit beweisen konnte.
Als nun der Tag kam, da die beiden Freunde gemeinsam zum ersten Mal die Gescheiten besuchen durften, kam auch der Augenblick, da Querél beweisen durfte, was ihm diese Freundschaft wert war.
Was viele nicht wissen: Ein Rabe muss schwimmen können. Jetzt fragt man sich berechtigterweise, wozu ein Rabe, der entweder am Himmel umher fliegt, auf Bäumen ruht, oder, was die meiste Zeit beansprucht, auf Feld und Wiese nach Futter pickt, schwimmen können muss. Die Antwort liegt weit zurück, in der Geschichte der Schwarzfedern.
Das wahre Grauen eines jeden Raben war Klaue. Etwas derart Großes dürfte eigentlich nicht fliegen können, doch Klaue konnte Manöver, die einen Raben neidvoll innehalten ließen. Man hätte gern dieses Spektakel von einem bequemen Ast aus betrachtet, wäre man nicht gerade die Leibspeise dieses Raubvogels.
Die Rettung lag im Wasser. Klaue hasste das Wasser. Er konnte nicht schwimmen und nicht wenige der Raubvögel waren darin umgekommen. Klaue war nicht dumm und der Rabe als Beute nicht genug begehrlich, um dafür zu sterben.
Aus diesem Grund war es wichtig, dass alle Raben schon früh das Schwimmen und Tauchen lernten. Das war so wichtig, dass schon die allergrünsten Grünschnäbel mit dem nassen Element vertraut gemacht wurden.
Die erste Lektion war also Unterricht in Rabengeschichte. Querél lernte, wer Klaue ist und was er fraß. Mit diesem Wissen war es nicht weiter schwierig, die Rabenjungen vom Wasser zu überzeugen.

Als erster sollte Quábax den See an der Waldlichtung betreten. Er schlotterte mit den Knien und es war ihm schrecklich unwohl. Vor den anderen seine Angst zu zeigen, kam gar nicht in Frage. Also watete er in die nasse Tiefe, bis seine Füße nur noch ins Leere tasteten. Die Angst war so groß, dass es ihm unmöglich war, sich der Übungen zu erinnern, die sie bäuchlings auf der trockenen Wiese gelernt hatten. Es war so kalt und er zog seine Flügel fest an seinen kleinen Körper. So tauchte er ab und sank dem Grund des Sees entgegen.
Querél sah seinen Freund im Wasser verschwinden und zögerte keinen Augenblick. So war das nicht richtig! Er ahnte die Gefahr, in der Quábax schwebte und sprang seinem Freund nach.
„Waaaaaahaaahhh!“, rief er. Es war gar fürchterlich kalt! Nach diesem heftigen Schrecken, riss er sich zusammen und paddelte wild mit Füßen und Flügen im Wasser umher. Es half nichts, er konnte seinen Freund nur finden, wenn er ebenfalls untertauchte. Sein Schnabel stach ins Wasser und mit einigen energischen Flügelstößen befand er sich gänzlich in dieser nassen Welt.
Erstaunlich! Obwohl er hier nicht atmen konnte, war es fast so, wie fliegen im Himmel. Die Flügel eng an den Körper ziehen, die Schwanzfedern einklappen und etwas energisch mit den Füßen gepaddelt, so flog er, statt in hohe Lüfte, in tiefere Gewässer.
Da! Quábax lag regungslos am Grund des Sees. Queréls Lungen aber taten fürchterlich weh. Er brauchte dringend Luft. Strampelnd kämpfte er sich an die Oberfläche, atmete tief ein und war wieder unter der spiegelnden Wasseroberfläche verschwunden.
Er zerrte verzweifelt an seinem bewegungslosen Freund und grub seine Krallen in dessen Gefieder. Alleine würde er es nicht schaffen. Aber dies zu akzeptieren, kam Querél nicht in den Sinn und so schaffte er das Undenkbare. Er schlug so heftig mit den Flügeln, bis beide Raben den halben Weg zur Oberfläche hinter sich gebracht hatten. Da wurden sie von jemand anderem mit sich gezogen und kaum, dass Querél wusste, wie ihm geschah, befand er sich wieder am Ufer.
Der Gescheite Quódren hatte die beiden aus dem Wasser gefischt.
Quábax lag hustend und prustend neben Querél im sicherem Gras. Er sah seinen Freund an und schenkte ihm einen derart dankbaren Blick, wie Worte es nicht besser zu umschreiben vermocht hätten.
„Ich glaube nicht, dass ich das noch mal versuchen werde!“, gestand Quábax seinem Freund später.
„Doch, wir beide tun es zusammen.“, beharrte Querél. „Ist wie fliegen.“
Ein paar heimliche Schwimmstunden später, konnte Quábax schwimmen und tauchen. Gern tat er es trotzdem nicht. Auch Querél konnte sich Besseres denken. Doch es war wichtig, denn es gab ja Klaue.
Natürlich hatte diese aufregende Sache die Runde gemacht. Das hatte zur Folge, dass Querél nicht mehr ganz so leidenschaftlich wegen seines rot und weiß gestreiften Schnabels verspottet wurde. Nicht, dass Querél sich sonderlich am Gespött störte. Er fand seinen Schnabel nämlich noch immer sehr toll und Ma hatte gesagt, dass er eben etwas Besonderes war.
Eines späten Nachmittags saß Querél auf der Wiese und spielte mit Blaubeermurmeln.
Sie stammten aus der Kornhöhle und eigentlich waren sie auf nicht ganz rechtschaffene Weise in den Besitz der jungen Raben gelangt. Um’s kurz zu sagen: sie hatten sie stibitzt! Querél hatte schon ganz schön viele und immer wieder zählte er sie.
Da drang eine fremdartige Flüsterstimme an sein Ohr. Zunächst wusste er nicht, was die Stimme sagen wollte. Es klang sehr eigenartig. Dann verstand er.
„
Komm her!“
Querél sah sich um. Nichts. Bäume, schwirrende Libellen, etliche Ameisen und Pilze.
Da! Ein großer Pilz mit weißen Punkten auf seinem roten Hut, öffnete seine Augen und sah direkt zu Querél hinüber. Dann öffnete sich ein Mund und rief: „Komm!“
„Boah! Das glaubt mir keiner!“ Querél glaubte es ja selber nicht. Er rieb sich die Augen. Doch der Pilz schaute ihn immer noch an und lächelte.
Querél hüpfte ein wenig näher an den Baum heran, an dessen Fuß dieser Pilz wuchs. Aber nur ein bisschen.
„Meinst du mich?“, fragte er leise, aus Angst, einem Streich aufzuliegen
Der Pilz fing an zu lachen, so dass sein dicker, weißer Leib wabberte.
„Sei nicht dumm, Junge. Siehst du sonst jemanden hier?“
Querél sah sich um. Er tat es nicht etwa, weil er nicht wusste, ob er alleine war, sondern vielmehr um sich zu vergewissern, dass niemand diese reichlich verrückte Sache beobachtete.
„Nein.“, beantwortete er die Frage, weil er höflich sein wollte. „Warum sprichst du mit mir?“
Der Pilz räusperte sich geräuschvoll.
„Weil ich dich damals vor Schlimmerem bewahrt habe, um nicht zu sagen, ich habe dir das Leben gerettet. Und auch, weil mir dein Schnabel gefällt.“
Querél fasste an seinen Schnabel und grinste verlegen.
„Ja echt?“
„Ja. Der hat tolle Farben. Kein Wunder, es waren schließlich meine Sporen, die an dir haften blieben. Die Farben sollen dich daran stets erinnern, dass dir Forgon das Leben rettete.“
„Warum erzählst du mir das?“, fragte Querél.
„Weil du meine Sprache sprichst und weil die Zeit kommen wird, da ich dich um einen Gegengefallen bitten werde.“
„Oh!“, sagte Querél. Tatsächlich hatte er mit dem Pilz in einer völlig fremden Sprache geredet. Doch es war, als schlummerten diese Worte schon immer in ihm.
„Wie du sehen kannst, kann ich hier schwerlich weg.“ Forgon blickte zum Boden um ihn herum. „Also versprich mir, mich mal wieder besuchen zu kommen.“
„Ja, werd ich machen!“, versprach Querél. „Und Danke!“
„Wofür?“
„Na, du sagtest, du hast mich gerettet!“
„Wie gesagt, du wirst die Gelegenheit erhalten, deine Dankbarkeit zu zeigen!“ Damit schloss der Pilz wieder seine Augen und erstarrte.
Querél wartete noch einpaar Augenblicke, dann wandte er sich um. Doch er hielt noch einmal inne, um nochmals den Pilz zu betrachten. War das wirklich passiert? Dann hob Querél ab und flog zum elterlichen Ast. Es war längst Abendessenszeit!
Querél hatte lange darüber nachgedacht, ob er seinen Freund in diese Sache einweihen sollte. Schließlich entschied er sich dafür. Am nächsten Tag erzählte er es ihm. Quábax hörte zu, sah Querél eine Weile an und sagte schließlich: „Klar, warum nich’? Aber versprich mir, dass ich dabei sein darf, ja?“
Und einmal mehr erkannte Querél, was für einen tollen Freund er hatte.
Nach der Schule flogen beide zum Fliegenpilz. Da standen sie und warteten, dass dieser etwas sagen möge. Aber nichts geschah. Als auch viele Besuche später nichts geschah, fing Querél an, an sich selbst zu zweifeln. Quábax aber sagte mit keinem Wort und zeigte mit keiner Geste, dass er ihm nicht glaubte.
Nach einer Weile ging Querél nur noch alleine den Pilz besuchen. Weil aber der Pilz beharrlich stumm blieb, kam er immer seltener und schließlich vergaß er gänzlich, ihn zu besuchen.

Der Winter war überstanden und der Hain begann, seine Eitelkeit mit frischem Grün zu bekleiden. Querél war nun ein vollendet ausgebildeter Futterstellenwisser. Seine Ausdauer beim Fliegen machte ihn zu einem begabten Futtersucher. Querégean und Quaráh waren in ihrem Stolz nicht zu bremsen, dass ihr einziger Sohn in ihre Fußstapfen treten sollte.
Querél selbst zog es in die Fremde. Als Futterstellenwisser war man oft tagelang unterwegs und lernte viel Neues kennen. Sein Freund Quábax zeigte enormes Talent fürs Nestbauen. Das Fliegen lag ihm nicht so sehr. Er hatte eben handwerkliches Geschick und seine Nester waren sehr begehrt.
Querél hatte lange versucht, Quábax davon zu überzeugen, mit ihm zu fliegen. Er erkannte, dass Quábax’ Herzenswunsch ein anderer war. Es war sehr schade, denn er hätte seine Abenteuer gerne mit seinem Freund geteilt. Quábax seinerseits versuchte Querél den Nestbau schmackhaft zu machen, doch dieser war eindeutig viel zu ruhelos.

Wenn Querél von seinen Suchflügen zurückkam, verbrachte er jeden Augenblick mit seinem Freund. Es gab verständlicherweise viel zu berichten.
Einmal hatte Querél eine unangenehme Bekanntschaft mit einem viel zu groß geratenen Wurm gemacht. Den wollte er natürlich mitnehmen, was für ein Happen! Wie sich herausstellen sollte, handelte es nicht um einen Wurm. Vielmehr hatte Querél großes Glück, nicht selbst aufgefressen zu werden, denn er war im Begriff, eine Schlange zu fangen. Als er mit seinen Krallen danach greifen wollte, bäumte sich seine Beute auf. Das war gar nicht typisch für einen Wurm, die waren nämlich sehr träge. Und auch die zwei großen Zähne, die dem Geschöpf aus dem weit aufgerissenen Maul wuchsen, gehörten sicherlich keinem Wurm. Keine Frage, dass Querél sofort die Flucht ergriff.
Er berichtete den drei Ältesten, Quidda, Quérum und Quillón, davon. Sie entschieden, dass Querél richtig gehandelt hatte und die Audienz, um die er gebeten hatte, keine Zeitverschwendung darstellte.
„Soso, eine Schlange wolltest du also zum Abendessen!“, stellte Quillón fest. Er sagte das so, als würde er mit einem Dümmling sprechen: sehr langsam und jedes Wort dehnend.
„Mein Junge“, sagte Quidda, „nur selten ist etwas, das größer ist, als wir selbst, für ein Mahl geeignet. Manchmal sieht’s bunt und groß und appetitlich aus, doch sei stets vorsichtig, wenn du nach neuen Futterquellen begehrst!“
„Am Besten ist, nun ja, bleib einfach bei dem, womit wir uns schon seit Jahrhunderten zufrieden geben.“, sagte Quérum und machte eine Geste mit dem Flügel, die Querél sagte, er möge jetzt gehen.
Querél fühlte sich etwas unbehaglich. Als er Quábax davon erzählte, meinte dieser, dass man nur froh sein konnte, dass Querél nicht so stark und kampfbereit war, wie er es beim Fliegen zeigte. Am Ende hätte er diese Schlange noch zum Hain mitgebracht. Beide Freunde mussten köstlich lachen und Querél begriff, warum die Ältesten so wenig erfreut gewesen waren.
Es war eines schönen, lauen Abends, Querél war von einem Spähflug zurückgekehrt und hatte noch die abendliche Sippensitzung besucht, als er müde und erschöpft zum seinem elterlichen Ast heimkehrte. Gerade wollte er es sich auf seinem Zweig gemütlich machen, als ein summendes Geräusch seine Aufmerksamkeit weckte.

Er konnte nicht ausmachen, woher das Summen kam, denn es war mal hier, mal da. Es umschwirrte seinen Kopf und in der beginnenden Dämmerung, konnte man nichts erkennen. Da hörte das Schwirren auf und Querél schielte auf seine Schnabelspitze. Dort war ein kleiner schwarzer Fleck. Er wollte ihn mit seinem Flügel wegschnippen.
„Heeee! Hör auf damit!“, schimpfte eine kleine Stimme.
Querél schielte den kleinen schwarzen Fleck an und wunderte sich.
„Dann geh von meinem Schnabel runter und sag mir, wer du bist!“, forderte er.
Wieder summte es und das winzige Geschöpf ließ sich auf einem Blatt zu Queréls Rechten nieder.
„Flirr heiß’ ich. Bin `ne Stubenfliege und bevor du denkst, ich will dich fressen, lass dir sagen: Forgon schickt mich!“.
„Forgon?“ Querél hätte mit allem gerechnet, aber nicht unbedingt in einer solchen Kombination. „Was hast du denn mit Forgon zu tun?“
„Schickt mich, weil er in eine wenig gesunde Situation geraten ist. Sagt, er hätte noch was gut bei dir.“
„Was ist mit ihm passiert?“, fragte Querél in äußerster Sorge und die Müdigkeit war vergessen.
„Also, ich wohn` bei Gorgrim. Ist ´n Hexenmeister. Ich sag dir, der hat `ne Meise!“ Flirr pfiff und eins seiner vielen Beinchen tippte an seine Stirn. „Denkt, er könnte den
Schatz der Halen finden. Der redet dauernd mit sich selber. Meint, wenn er nur die richtige Formel für seinen Trank findet, dann könnte der die alte Smulla schon zum Reden bringen.“
Querél war, ob soviel Aufklärung, etwas überfordert.
„Wer ist Smulla, was ist der Schatz der Haare und äääähm,
was?“
„Schatz der Halen!“, berichtigte Flirr. „Weiß nicht, ist eben sehr wichtig für Gorgrim. Das müsstest du schon die Smulla fragen, aber da s ist ja der Haken. Die redet nämlich nicht.“
„Und wer ist diese Smulla?“, fragte Querél erneut.
„Ein schauerlicher Achtbeiner. Uralt. Macht auch beim Fressen ganz generell nicht viele Worte. Weißt du, unsereins ist ihr Futter.“
„Eine Spinne?“
„Sag’ doch so was nicht!“, schimpfte Flirr. „Aber ja, genau das ist sie.“
„Ja gut und was hat das alles mit Forgon zu tun?“, fragte Querél.

„Gorgrim hat ihn geholt. Quasi weggepflückt. Er braucht einen echt großen Pilz für seinen Zaubertrank. Und Forgon ist der größte und älteste Pilz in diesen Gefilden. Was weniger Gutes käme Gorgrim nicht in den Brei, sagt er.“
Querél war nun wirklich erschrocken. Forgon sollte nicht mehr an seinem Baumstamm sein?
„Aber die Gefahrenspäher hätten das Eindringen eines Menschen bemerkt und einen Mordsradau gemacht. Das kann nicht sein!“
„Ja, glaub ich dir! Aber Gorgrim ist kein Mensch. Er ist ein Hexenmeister und er ist wie ein Schatten. Schon mal einen Schatten in der Nacht gesehen? Nicht, nein?“, fragte Flirr.
„Davon will ich mich selbst überzeugen!“, sagte Querél und hob ab, um zu Forgons Baumstamm zu fliegen.
Flirr flog ihm nach.
Im letzten Licht der Abenddämmerung sah Querél schon von weitem, dass der Fuß des Baumstamms seines Bewohners beraubt worden war. Er landete und blickte wie erstarrt auf die Stelle, aus der der Pilz dem Erdreich entrissen worden war. Flirr schwirrte neben ihm in der Luft.
„Sag ich doch!“, meinte er.
„Das wäre nicht passiert, wenn ich Forgon, wie ich es versprach, öfter besucht hätte!“, sagte Querél traurig.
„Och, doch, doch! Wäre es. Gorgrim mag ja `ne Meise haben, aber er versteht sich auf das, was er tut. Den hättest du nicht aufhalten können.“, erwiderte Flirr.
Querél strich mit dem Flügel über den aufgebrochenen Erdboden.
„Komm mit!“, sagte er und hob ab.
Flirr blickte ihm nach und fragte: „Wohin?“ Er folgte Querél. „Na also eigentlich solltest du ja mir folgen! Und zwar zu Forgon!“, rief er ihm zu. Er hatte etwas Mühe, dem Raben im Geäst zu folgen.
„Würde mir mal bitte jemand Beachtung schenken? Wohin fliegen wir?“
„Wir holen Quábax!“, antwortete Querél.
„Ach, dann ist’s ja gut! Wer ist das?“, wollte Flirr wissen.
Querél landete auf einem Ast und sah Flirr an. „Ein Freund, dem ich versprochen habe, ihn mitzunehmen, wenn Forgon seinen Gefallen einfordert.“
Während Querél einen anderen Raben unsanft wachrüttelte, sagte Flirr: „Gut, gut, gut! Wir können jede Hilfe brauchen!“
„Was zum Saatfraß ist denn hier…? Oh, Querél? Was ist passiert?“, fragte Quabáx, der noch reichlich schlaftrunken war.
„Wir müssen los! Komm, schnell!“, sagte Querél.
„Mitten in der Nacht? Querél, ich gehöre zur arbeitenden Schicht. Sag, was ist so wichtig, dass es nicht bis morgen warten kann?“, verlangte Quábax.
„Erinnerst du dich an die Sache mit dem Fliegenpilz?“
„Ja!“
„Jetzt halte ich mein Versprechen, das ich dir gab!“, erklärte Querél.
Quabáx war vom Abenteuergeist angehaucht worden und da er nun ohnehin nicht mehr schlafen konnte, konnte er genauso gut aufstehen.
„Er braucht also deine Hilfe. Gut, ich bin dabei!“
„Würde mich mal jemand vorstellen?“, quengelte Flirr.
„Oh, na sicher! Flirr – Quábax, Quábax – Flirr.“ Querél gestikulierte zwischen den beiden hin und her und Flirr landete auf Quábax’ Schnabel, wie schon zuvor bei Querél.
„Schön, dass du mit uns kommst! Nun aber los. Gorgrim wird nicht mehr lange brauchen, bis er alle Zutaten für seine komische Formel zusammen gesucht hat.“ Dann flog er los.
„Wer sagtest du, ist das?“, fragte Quábax.
„Erzähl ich dir unterwegs!“, antwortete Querél.

So flogen sie los, ein seltsames Trio, inmitten einer Nacht, die vom aufgehenden Vollmond und zahlreichen Sternen beleuchtet wurde. Querél erklärte Quábax, was sich zugetragen hatte. Dann flogen sie schweigend weiter.
„Wieso ist ’n dein Schnabel so komisch?“ Flirrs quietschende Stimme zerschnitt die Ruhe. Er flog zwischen den beiden Raben. Querél wollte antworten, sah zu Flirr hinüber und erkannte, dass dieser eigentlich mit Quábax sprach.
„Tja, weißt du, ich hab ihn zu oft in die Mirabellen gestochen! Deswegen ist er so gelb“, scherzte Quábax und Querél brach in Gelächter aus. Flirr blickte verwirrt zwischen seinen beiden Begleitern hin und her.
„Was is 'n da so witzig?“, fragte er.
„Den eigentlich komischen Schnabel hab ich!“, antwortete Querél. „Die gelben Schnäbel sind bei Raben eher gewöhnlich.“
„Na, Danke!“, protestierte Quábax.
„Ihr seid alle beide komische Vögel“, warf Flirr ein.
Die zwei Raben erzählten Flirr, wie Querél zu seinem gestreiften Schnabel kam.
Da fiel Querél etwas ein.
„Flirr, wieso sprichst du überhaupt Forgons Sprache?“, fragte er.
„Weil ich `ne Fliege bin. War ja nicht immer `ne Stubenfliege. Hab mich mal als Pilzputzerfliege nützlich gemacht. Du kannst es dir sicher denken wieso, da du auch Forgons Sporen gekostet hast.“
„Du warst schon mal in unserem Hain?“, fragte Quábax.
„Nee, ich hab andre Fliegenpilze geputzt. Forgon hab ich erst in seiner misslichen Lage kennen gelernt.“, antwortete Flirr.
Als die Morgendämmerung versprach, dass die Sonne ihr bald über den Horizont folgen würde, waren die Drei schon recht weit geflogen.
Flirr deute auf einen Wald, der zwischen Hügeln eingebettet und von einem Fluss gesäumt war. Er sah tiefschwarz aus in diesem Licht.
„Dort müssen wir hin.“, sagte er.
„Endlich! Ich wollte ja nichts sagen, aber ich bin völlig fertig!“, gestand Quábax, der Langstreckenflüge nicht gewohnt war. Querél hingegen fühlte sich frei, obschon auch dies sein bisher längster Flug war.
Sie flogen über den Fluss, dann über die Wipfel der Tannen. Der Wald war sehr dicht. Kaum vorstellbar, dass die Sonne einen Weg zum Erdboden finden konnte.
„Das ist der Trollendwald. Es gibt hier viele seltsame Geschöpfe und allerhand Zaubereien.“, klärte Flirr seine beiden Begleiter auf. „Man sagt, es gab diesen Wald schon zu Zeiten der Alten Magier. Sehr verwunschen das alles. Werdet ihr ja sehen!“, versprach er.
„Oh, oh, mir schwant nichts Gutes!“, sagte Quábax.
„Nee, nix Böses gibt’s hier eigentlich nicht. Ist nur der alte Gorgrim, der ein bisschen durchgeknallt ist. Aber das macht ihn gefährlich. Deswegen müssen wir nur aufpassen, wenn wir sein Schloss betreten. Mich wird er nicht bemerken, bin zu klein, aber bei zwei Raben sieht’s anders aus!“
„Wie? Der Typ hat ein Schloss?“, fragte Querél.
„Jupps, der lebt schon länger, als man zählen kann. Man munkelt, er sei noch einer der
Alten Magier. Nun ja, er hat jedenfalls viele Generationen der Schlossbesitzer überlebt und ist nun der einzige, der noch das Recht einfordert, es zu bewohnen.“
„Na ja, immerhin ein Lichtblick!“, stellte Querél fest.
"Wieso?", fragten Quábax und Flirr, wie aus einem Munde.
„In eine einfache Hütte kämen wir bestimmt nicht unbemerkt hinein.“
Flirr schlug vor, nun in den Wald hinein fliegen und sich, verborgen zwischen den Bäumen, weiterbewegen. So würden sie nicht gesehen werden. Plötzlich war da eine Steinwand. Wie ein Monument ragte sie endlos in die Höhen hinauf. Zwischen Baum und Wand war nur ein kleiner Streifen Himmel zu erspähen.
„Uff!“, machte Quábax, der unsanft mit dem Schnabel an die Wand krachte, sich aber, peinlich berührt, wieder aufrappelte.
„Alles noch heile?“, fragte Querél und Quábax grinste verlegen.
„Hm, hm!“, sagte er.
„Pssst!“, machte Flirr. „Habt ihr euch schon mal umgehört? Ist ziemlich still hier, was? Deswegen müsst ihr jetzt echt leise sein!“.
Das uralte Gemäuer war aus groben Steinen gebaut worden. Es ragte ein wenig über die Baumkronen hinaus, doch war es gut verborgen. Moos hatte sich auf den Steinen breit gemacht und es war mit Efeu und allerhand anderen Ranken bewachsen. Die drei flogen die mächtige Wand empor, hinauf zu zierlichem Zinnengemäuer zwischen zwei Türmen. Dort landeten sie.
Jetzt konnten sie auch die anderen beiden Türme sehen, die auf der anderen Seite, an jeweils einer Ecke in den Himmel stachen. Das quadratische Dach des Schlosses wurde ringsum von den Zinnen gesäumt. In der Mitte des Daches war eine ebenfalls quadratische Vertiefung. Zwei Steinstufen führten hinunter zu einer Holzluke, deren Angeln zwar rostig, aber dennoch das Zeugnis feinster Schmiedekunst waren.
„Da müssen wir hinein.“, flüsterte Flirr und deutete darauf.
„Die sieht aber sehr verschlossen aus!“, erwiderte Querél, ebenfalls flüsternd.
„Deswegen ist es gut, dass ihr mich habt! Ich weiß nämlich, dass eins der Bretter lose ist. Verlangt aber bitte nicht, dass ich euch helfe, ja!“ Flirr sah an seinen kleinen Fliegenkörper hinab.
Sie flogen mit leisem Flügelschlag zu der Luke. Und wie Flirr versprochen hatte, war dort ein Brett an einer Seite etwas eingesunken. Der Nagel fehlte an einer Seite. Beide Raben landeten dort und augenblicklich begann das Brett zu wackeln. Der verbliebene Nagel auf der anderen Seite trug das Gewicht, doch er quietschte. Das Geräusch hallte im Inneren. Die Raben flogen wieder hoch und setzten sich auf einer Steinstufe ab.
„Wartet!“, flüsterte Flirr. „Seht ihr dort die Öllampen? Vielleicht is noch was drin!“
Querél hatte verstanden. Er flog zu einer irdenen Lampe, die an einem der Türme in den Stein befestestigt worden war. Er zog mit seinem Schnabel den Docht heraus. Igitt! Das schmeckte eklig. Er flog zurück zur Luke und hielt den Docht an den Nagel. Er biss fest zu und ein paar Tropfen quollen vom Dochtende darauf.
„Das sollte genügen.“; meinte Flirr.
Sie versuchten es noch einmal. Als sie fest auf dem Brett standen, quietschte nichts mehr. Dann hüpften sie mehrmals darauf herum. Der Spalt wurde allmählich breiter, als der Nagel erneut zu lärmen begann.
„Einmal noch!“, raunte Querél entschlossen. Wieder quietschte der Nagel, diesmal wieder lauter, doch nun war der Spalt so weit aufgegangen, dass sie durchschlüpfen konnten. Flirr folgte ihnen in die schwarze, undurchdringliche Dunkelheit.
Ganz leise und von unten herauf, tönte eine fürchterliche und beschwörende Stimme an ihre Ohren. Sie rief fremdartige Formeln, die wie Nebelschleier in dem Gemäuer waberten und an den Steinwänden widerhallten. Die Gänsehaut, die sich der drei Gefährten bemächtigte, war nicht nur auf die plötzliche Kälte die unterm Dach des Schlosses herrschte, zuzuschreiben. Querél versuchte den Geschmack des alten Petroleums fort zu spucken.
Am Fuße dieser Halle unterm Dach, befand sich eine weitere, hölzerne Tür. In der Dunkelheit war sie kaum zu sehen, doch der Lichtstreif, der durch den Schlitz in der Luke fiel, streifte diese eben noch so, dass es nicht schwer war, ihrer fündig zu werden. Sie war geschlossen.
„Was jetzt?“, fragte Querél. Flirr wusste es nicht, denn er war klein genug für das Schlüsselloch.
„Weiß nur, man muss die Klinke dort runterdrücken und dann aufziehen.“, erklärte Flirr den beiden.
Mit Türen hatten die zwei Raben keinerlei Erfahrung, doch Quábax hatte eine Idee.
„Du hängst dich an die Klinke, dadurch geht sie runter“, flüsterte er Querél zu „und ich stoße mich an der Wand ab, während ich deine Beine halte. So schieben wir sie auf.“
Beim zweiten Anlauf klappte es. Ob Flirrs Hilfe dazu beitrug, der beim zweiten Versuch kräftig mit schob, weiß man nicht.
Die Tür öffnete sich einen Spalt weit, sogar ziemlich leise. Es genügte, um sich durchzuquetschen. Augenblicklich wurde der beschwörende Gesang lauter. Sie hörten nun auch, wie Geschirr klapperte und dergleichen.
„Wir müssen jetzt echt schnell machen! Er hat bereits begonnen!“, sagte er. Bei dem Krach war es nicht mehr nötig, zu flüstern.
Sie flogen durch einen echt langen Korridor. An den blanken Steinwänden hingen verstaubte Gemälde. Erkennen konnte man nicht mehr viel. Auch Schwerter, Morgensterne und allerhand anderes Kriegsmaterial hingen dort herum. Das Zeug war wohl mal jemanden sehr lieb und teuer, wieso sonst sollte man derlei Sonderlichkeiten kunstvoll an eine Wand drapieren? Querél und Quábax erschraken nicht unbeträchtlich, als sie eine alte Ritterrüstung sahen. Eine Maus huschte aus dem ehernen Schuh der Rüstung, wo der Rost ein Loch hineingefressen hatte.
„Ist echt gruslig hier!“, stellte Quábax fest.
„Mann gewöhnt sich dran.“, sagte Flirr. Die Beschwörungsrufe wurden immer lauter, je näher sie der Mitte des Korridors kamen.
Dort führte eine Steintreppe hinunter zu einer Halle. Dort unten brannten hunderte von Kerzen und einige Fackeln an der hohen Wand, die wie Feuer speiende Drachen anmuteten. Doch der Schein der Kerzen und Fackeln verlor sich in den Tiefen dieser riesigen Halle. Ein Fenster gab es hier nicht, die waren zugemauert. Hier herumzufliegen wäre wenig ratsam gewesen. Außer vielleicht für Flirr. Die zwei Raben hüpften die Stufen hinab, ganz nah an der Wand und darauf achtend, nicht in den Lichtschein der Kerzen zu treten. Sie erreichten den Fuß der riesigen Treppe. Flirr blieb summend in der Luft stehen und bedeutete den beiden Rabenfreunden, leise zu sein.
Nah am Boden, flog er zu einem hohen Durchlass, der zur Linken der letzten Stufe in die Mauer gehauen worden war. Von dort kam der schauerliche Gesang.
„Was jetzt?“, fragte Querél mitten in die plötzlich eintretende Stille.
Er schlug seinen Flügel vor den Schnabel und machte ein erschrockenes Gesicht. Sie warteten, was passieren mochte.
„Verflucht seid ihr Ratten und Schmarotzer!“, fluchte die Stimme, die eben noch Formeln beschwor. „Wo ist meine Alraune?“
Ein Topf flog scheppernd in die Halle. Die drei Gefährten erschraken bis auf die Knochen und verzogen sich in den Schutz der Dunkelheit, hinter das steinerne Treppengeländer. Zwischen den Streben des Geländers hindurch, blicken sie in die Richtung, aus der der Tumult kam. Ein hölzerner Kochlöffel folgte dem Weg, den der Topf zuvor schon eingeschlagen hatte. Kurze Pause, noch ein unverständlicher Fluch, dann gesellte sich ein weiterer Topf zu den beiden Wurfobjekten.

„Na, der ist heute echt stinksauer!“, sagte Flirr.
„Ist er sonst nicht so, ja?“, fragte Querél. Flirr dachte kurz nach.
„Doch eigentlich isser immer so!“, gestand er.
Plötzlich verdunkelte ein großer Schatten das Licht, das aus dem Durchlass fiel. Er wurde etwas kleiner und dann trat ein ur, ur, uralter Mann, mit schlohweißem, langen Bart und noch längeren Haaren durch den hohen Türbogen. Er hatte einen purpurnen, mit Stickereien besetzten Umhang an, der bis zum Boden reichte und ein bisschen darüber hinaus. Er wallte ein gutes Stück hinter seinem Träger her. Das ließ ihn noch unheimlicher erscheinen. Seine gewaltigen Falten im Gesicht, wirkten im flackernden Licht der Kerzen und Fackeln noch tiefer, als sie es eigentlich waren. Seine Nase nahm einen beträchtlichen Teil seines Gesichts in Anspruch. Auf der Stirn thronte ein Reif, zwei Enden von Drachenschwänzen, die ein Auge in der Mitte hielten. Das also war Gorgrim!

Seine knorrigen Finger machten sich an einem eisernen Schlüsselring zu schaffen und suchten nach dem passenden Schlüssel. Das war kein leichtes Unterfangen, denn derer hingen dort viele. Gorgrim fluchte erneut ungeduldig. Seine rasselnde Stimme hallte an den Wänden wider.
Dann war der richtige Schlüssel gefunden und Gorgrim schlurfte geräuschvoll zur gegenüberliegenden Seite der Halle. Er machte sich am Schloss der dort befindlichen Tür zu schaffen. Die Tür war so marode, dass ein Schloss eher nutzlos erschien. Wer dort hineinwollte, musste nur mal eben dran tippen und das Holz würde sich in Wohlgefallen auflösen.
Das war die Gelegenheit, ungesehen dorthin zu gelangen, wo Gorgrim hergekommen war. Dort war Forgon.
Querél fragte sich, ob sein Freund noch heile war.
Die drei Gefährten schlichen an der Wand entlang zum Türbogen. Flirr späte um die Ecke und bedeutete seinen Freunden, ihm zu folgen. Sie schoben sich, weiterhin an der Wand, hinein und huschten unter eine Holztruhe. Dort war es irre schmutzig! Ein Kern von irgendeiner Frucht lag dort und jede Menge Staub. Und eine seltsame Wurzel.
„Tja!“, sagte Flirr. „Seine Alraune. Er ist zu hektisch und verschusselt alles!“
„Gut für Forgon!“, meinte Querél.
„Hoffentlich! Gorgrim kriegt ’s fertig und vermasselt die Reihenfolge der Formeln, in seinem momentanen Zustand.“ Flirr flog aus dem Schutz ihres Verstecks. Die Raben folgten ihm. Flirr deutete auf einen großen Holztisch, der unweit der Truhe, die Mitte des Raumes füllte.
„Da müssen wir hoch. Forgon lag in einer Schale dort oben, als er mich losschickte.“
„Na, dann nichts, wie hin!“, sagte Quábax, der endlich hier raus wollte.
Doch so einfach sollte das nicht werden. Gorgrim war zurückgekommen. Ohne die geräuschvolle Vorankündigung, wie vorhin. Er stand im Türbogen, hielt eine neue Alraune in der unheimlichen Hand und sein Blick fiel schnurgerade auf die drei kleinen Gefährten. Die waren vor Angst völlig erstarrt.
„
Trewivax quat erriam!!!“, ertönte grollend Gorgrims Stimme. „Mit Donner und Geblitze, verflucht seid ihr! Augenblicklich bleibt ihr stehen und gebt euch zu erkennen!“, donnerte seine Stimme auf die drei kleinen Geschöpfe hernieder. Und nicht nur seine Stimme donnerte. Es fing tatsächlich an, zu Blitzen und zu Donnern. Hier in der Hexenküche gab es ein kleines Fenster, das das zuckende Licht der Blitze in die Küche einliess.
Das löste die Starre der drei Gefährten. Nur weg hier! Flirr sauste flugs hinauf zur Decke. Dort war er sicher vor Gorgrim. Nicht, dass dieser der Fliege etwa Beachtung schenkte, doch man konnte nie wissen. Quábax war wieder unter der Truhe verschwunden.
Doch Querél war der Schreck so tief in die Knochen gefahren, dass er nicht gescheit genug reagieren konnte. Er flatterte wild umher, landete auf einer Anrichte und stieß eine Dose mit bläulichem Puder darin um. Sie rollte an den Rand der Anrichte. Bevor sie schließlich herunterfiel, konnte Querél noch die Aufschrift
„Quibufaz“ lesen.
Nach diesem Moment des Schreckens, griff Gorgrim nach Querél. Dieser jedoch flatterte wild davon und krachte gegen einen Stapel dicker Bücher, dass es nur staubte. Er rappelte sich wieder auf, gerade schnell genug, dass die nach ihm greifende Hand nur ein paar Federn erwischte. Wohin nun flüchten?
Da entdeckte Querél eine kleine Holzkiste. Er flog hin und hoffte, sie möge nicht verschlossen sein. Nein, kein Schloss hing daran. Nur ein Haken, der in eine Öse gesteckt worden war.
„
Rabumm qui vawwumm, oder so!“, dachte Querél. Es gab viele Orte, an denen sich ein kleiner Rabe verstecken konnte, doch Querél wollte in diese Kiste. Er schnippte den Haken beiseite und schob den Deckel hoch. Nichts wie rein da, dachte er und wieder war die Hand Gorgrims hinter ihm her. Querél hüpfte hinein und der Deckel sauste auf ihn nieder. Und auf einmal hatte er vergessen, warum er überhaupt in diese Schachtel wollte.
Es war stockdunkel in dieser Kiste. Aber Querél wusste, er war dort nicht allein. Das verriet im das leise Klickern auf dem Boden der Truhe. Er schob sich tief in die Ecke und machte sich so klein, wie er nur konnte.
Gorgrim hielt in seiner zornigen Verfolgung inne und blickte auf die Kiste.
“Gut!“, polterte seine Stimme. „Dort bist du erstmal gefangen! Oder Futter. Wie auch immer!“ Er wirbelte herum und sein Blick wanderte im Raum umher. „Wo seid ihr anderen Eindringlinge? Ich werd euch lehren, eure Nasen nicht in fremde Angelegenheiten zu stecken! Meine Alraunen stehlen!“ Er ließ beide Hände auf den Tisch sausen, dass es nur so krachte. Quábax verharrte mucksmäuschenstill unter der Truhe. Flirr war zu ihm geflogen und leistete seiner Panik mitfühlend Gesellschaft. Hoffentlich würde Gorgrim seine Gewohnheiten nicht ändern und plötzlich unter Truhe nach dem Rechten sehen wollen.
Querél hielt die Luft an. Plötzlich machte die Kiste mit ihren Insassen darin einen Hüpfer, als Gorgrim seine Pranken auf den Tisch hernieder sausen ließ. Querél wurde aus seiner Ecke geschleudert und knallte gegen etwas Pelziges. Etwas Lebendiges! Es bewegte sich klackernd von ihm weg.
„Lass das oder ich fress’ Dich gleich!“, zischte eine Stimme. Es klang, wie Oma Quiella, nur viel gruseliger.
„Wer ist da?“, fragte Querél mit dünnem Stimmchen.
„Das könnte ich genauso fragen!“, stellte die Stimme mürrisch fest. „Kommst in mein kleines Gefängnis und randalierst. Weißt wohl nicht, wer die alte Smulla ist, hä?“
Die Spinne! Nachdenken, dachte Querél, nicht panisch werden! Es kam doch nur darauf an, wie groß Smulla war und ob ein Rabe ihren Appetit wecken konnte.
„Kein Bedarf!“, zischte Smulla plötzlich angewidert.
„Was?“, fragte Querél irritiert.
„Tja Junge, ich kann deine Gedanken lesen!“, antwortete Smulla. „Willst du auch mal?“
„Was soll ich wollen?“, fragte Querél kleinlaut.
„Gedankenblitze. Wart, ich zeig’s Dir!“
Querél war gar nicht neugierig. Er wollte lieber nichts gezeigt bekommen. Da wurde es plötzlich hell und er war nicht mehr in der Kiste. Er saß in einer Höhle aus Spinnenwebe geflochten und betrachtete seine Beine. Es waren Spinnenbeine! Er erschrak und wollte nur weg von hier. Er versuchte, sich aus der Höhle zu kämpfen, als ein kleines Paket an einem seidenen Faden vor ihm herbaumelte. Darin eingewickelt war eine dicke, rote Beere. Der Faden riss und die Beere purzelte in ihrem Kokon aus der Höhle. Querél wollte nur ja nichts kaputt machen, darum setzte er der flüchtenden Beere nach, um sie wieder an ihren Platz zu bringen. Kaum hatte er die schützende Höhle verlassen, wurde er von einer Hand ergriffen und in eine hölzerne Kiste geworfen. Der Deckel senkte sich über ihn und er war wieder bei Smulla in der Kiste. Er tastete sich ab. Federn! Dem Herrn der Lüfte sei Dank!
Smulla schwieg. Draußen, in der Küche tobte Gorgrim. Querél hatte verstanden.
„
Er hat dich gefangen, damit du ihm verrätst, wo der Schatz ist!“, sagte er.
„So ist es! Und weil ich weiß, weshalb du und deine Freunde hier seid, werde ich dich nicht fressen!“, antwortete Smulla.
„Mach keine Witze! Ich hab gesehen, was du frisst!“
Smulla kicherte. „Du hast die Beeren gesehen. Ich wickle sie ein, damit sie frisch bleiben. Aber wir sollten uns lieber etwas ausdenken, dass Gorgrim es nicht schafft, mir seinen Höllentrunk einzuflößen.“
„Wegen dem Schatz der Halen.“, sagte Querél.
„So ist es! Wenn er den bekommt, wird etwas Ungutes geschehen. Weißt du, nicht, dass der alte Kauz etwas damit anzufangen wüsste. Er ist, wie ein kleines Kind, das trotzig nach allem schreit, was es nicht haben kann. Gestern war’s das Schloss, heute ist’s der Schatz der Halen und morgen will er den ganzen Trollendwald. Er sollte besser eine Formal gegen sein Rheuma brauen!“, zischte Smulla.
Querél kicherte leise.
„Was ist der Schatz der Halen?“, fragte er dann.
„Der Schatz ist eine wunderschöne Blume. Einst gepflanzt von einem Feenvolk, den Halen, wuchsen seine Wurzeln tief ins Erdreich. Wo immer die Wurzeln Fuß fassten, gedieh neue Erde, neues Land. Da das Feenvolk um seinen Untergang fürchtete und so niemand mehr die Blume nähren konnte, steckten sie einen Rubin in ihren Kelch. Das Sonnenlicht, das dieser Rubin einfängt, verwandelt sich in rotes Wasser. Wie Blut, doch es ist süß, wie Nektar.
Es ist Licht und Nahrung. Die Blume trinkt es und es verteilt sich in ihre Wurzeln, die nunmehr die Welt damit speisen. Was zu reichlich oder zu wenig vorhanden ist, wird ins Gegenteil verkehrt. So bleibt das Gleichgewicht erhalten, das unsere Welten brauchen, um zu existieren. Der Schatz der Halen ist also nur eine Blume. Aber eine besondere. Und das Besondere nimmt Schaden, wenn es in den Besitz derer gerät, die nicht verstehen.“ Smulla seufzte. „Nicht viele verstehen etwas vom Schatz der Halen. Nur jene aus der Zeit der
Alten Magier.“
„Du bist eine davon, stimmt’s?“ Querél glaubte, die Antwort schon kennen.
„Nein.“, sagte Smulla. Querél war überrascht.
„Und woher…?“
„Ich lese nicht nur in den Gedanken der Lebenden, mein gefiederter Freund!“, sagte Smulla ruhig. „Es ist doch erstaunlich, dass das Besondere auch immer im Anderssein liegt, nicht wahr, Querél? Du weißt, wovon ich spreche.“
Er kleine Rabe berührte seinen Schnabel und sagte: „Ja!“ Dann kam ihm ein Gedanke. „Ist Gorgrim nicht auch einer der
Alten Magier?“, fragte er.
Die Spinne seufzte erneut. „Ja das ist er. In all der langen Zeit ist nicht viel Gescheites an ihm hängen geblieben. Das mag daran liegen, dass er auch einmal ‚anders’ war. Er war ein Querdenker, ein Erfinder und ein Rebell. In den Zeiten, da die Magie den alten Regeln folgte, sah man solche Verrücktheiten nicht gern, auch wenn es noch so gute waren. Gorgrim wurde verspottet und letzthin sogar verbannt. Das machte den einst guten Geist in ihm verdrossen.“
Querél wollte noch viele Fragen stellen, doch plötzlich wurden sie in ihrer Kiste umher gewirbelt. Der Deckel wurde aufgeklappt und die Augen brannten, vom unverhofften Licht. Bevor er überhaupt ans Fliehen denken konnte, wurde er mit einem klebrigen Zeug bespritzt. Das roch eklig! Auf einmal wurde ihm ganz benommen und seine Knie wurden weich. Querél versuchte, zu flüchten, doch seine Flügel gehorchten ihm nicht mehr.
Nun wurde er von einer Hand grob gepackt und aus der Kiste gezogen. Smulla erfuhr dasselbe Schicksal. Sie landeten unsanft auf der hölzernen Tischplatte. Als Querél sich vom Schreck erholt hatte, sah er Forgon. Der Pilz lag neben ihm und schaute ihn an.
„Danke“, sagte er. Querél lächelte ihm zu.
Smulla stöhnte. Sie hatte sich beim Sturz auf den Tisch eines ihrer Beine verletzt.
„Querél!“, sagte Forgon. „Wir müssen an das Quibufaz rankommen!“
„An was?“, fragte Querél verwirrt.
„Du hast vorhin eine Dose runter geworfen. Das Quibufaz!“
Querél begriff, was Forgon meinte und versuchte auf den Boden zu spähen. Gerade noch in seinem Blickfeld, lag die Dose. Etwas blaues Pulver war dort verstreut.
„Aber wie?“, fragte er verzweifelt.
„Weiß ich auch nicht, aber wir müssen irgendwie drankommen.“, flüsterte Forgon. „Es wird den Bann lösen, der dich starr macht.“, erklärte Forgon. Es war anstrengend so schnell zu sprechen, denn er war das nicht gewohnt.
Querél sah die Dose an und dachte panisch nach. Gorgrim fuchtelte an irgendetwas bei der großen Anrichte herum und hatte wieder mit seinem beschwörenden Gesang begonnen. Wie viel Zeit würde ihnen noch bleiben? Ein Blitz zuckte durch das Fenster und erhellte den Raum. Dann krachte ein Donner.
Als der Knall langsam verhallte, hörte Querél jemanden seinen Namen rufen. Quábax! Er suchte den Boden mit den Blicken ab. Da! Unter der Truhe lugte der Kopf seines Freundes hervor. Querél sah zum Hexenmeister, doch der kehrte ihm noch immer den Rücken zu und fuhrwerkte herum, wie ein Wahnsinniger.

„Quábax, hol das Quibufaz!“, rief Querél. Er musste nicht fürchten, von Gorgrim gehört zu werden. Eher war er bange, von Quábax nicht gehört zu werden. „Die Dose dort!“ Er sah hinüber zur Dose, die nahe der Truhe lag, unter der Quábax sich versteckte.
Quábax blickte ebenfalls dorthin. Nicht weit, dachte er. Er hüpfte ein Stück, als Gorgrim sich umwandte und in seine Richtig schritt. Quábax blieb regungslos. Der Hexenmeister öffnete die Truhe.
„Da ist sie ja!“, sagte er und fischte ein schmieriges Glas heraus. Irgendetwas Lebendiges war darin gefangen, aber Quábax wollte gar nicht wissen, was es war. Dann ging Gorgrim wieder zur Anrichte und sprach erneut seine Formeln. Sein unheimlicher Gesang wurde immer inbrünstiger.
Quábax huschte zu der Dose und wischte mit dem Flügel etwas vom Quibufaz auf. Er schloss für einen kurzen Moment seine Augen und fasste allen Mut zusammen. Dann flog er aus dem Schutz seines Verstecks.
Der Hexenmeister hatte beinahe alle Zutaten für seine Wahrheitsformeln zusammengebraut, fehlte nur noch der Pilz! Er sprach die magischen Worte für die Zubereitung des Pilzes, als er sich, mit einem kupfernen Kessel in der Hand, umdrehte. Plötzlich versagte seine Stimme.
Der Pilz war weg! Die Spinne und das dreiste Federvieh ebenso.

Quábax flog so flink, wie nie zuvor und schoss wie ein Torpedo, hoch zu seinem Freund. Er rieb seinen puderigen Flügel an Queréls Gefieder. Das Selbe tat er bei Smulla. Augenblicklich kehrte das Leben in ihre Gliedmaßen zurück. Querél erhob sich mit kräftigen Flügelschlägen und packte mit den Krallen zwei Beinchen von Smulla. Quábax’ Krallen umschlossen Forgons bleiche Mitte und der Rabe war froh über die Kraft, die ihm durch das viele Nestbauen angediehen war. Flirr wartete bereits im Türbogen. Sie flohen in die dämmrige Halle, gefolgt von verzweifelten Verwünschungen und Flüchen.
Gorgrim jagte den Ausreißern nach. Er stolperte die Steintreppe hinauf. Als er den Korridor betrat, sah er sie gerade noch durch die Tür am Ende des Ganges in die Dunkelheit schlüpfen.
„Na wartet!“ Er streckte seine Hände nach vorn und rief: „
Incenda!“ Funken sprühten aus seinen Fingern und rasten den Korridor hinunter und prasselten an die alte Holztür.
Sie hatten Glück. Der Funkenregen traf die Tür, gerade, als Querél alle hindurch geschoben hatte. Doch er fürchtete, es würde zu lange dauern, bis sie sich alle durch den Schlitz in der Dachluke gequetscht hatten. Dort oben würde ihnen nichts Schutz bieten, wenn Gorgrim seine Blitze auf sie abschoss.

Der Hexenmeister kam, Funken speiend, immer näher! Querél sah im zuckenden Licht von Gorgrims Blitzen, ein Seil am Boden liegen.
„Quábax, schnapp dir ein Ende von dem Seil!“, befahl er seinem Gefährten. Der tat, wie ihm geheißen.
„Ihr anderen zieht euch irgendwohin zurück!“, rief Querél den anderen zu. Dann sah er Quábax an.
„Jetzt hoch! Auf gleicher Höhe mit mir. Wenn ich ‚los’ sage, dann flieg was das Zeug hält!“
Querél packte mit dem Schnabel das andere Ende des Seiles und beide Raben erhoben sich. Das Seil spannte sich zwischen ihnen. Schon krachte die Tür auf und schlug gegen die marode Wand. Gorgrim rannte durch die Tür.
„Los!“, schrie Querél und hätte beinah sein Ende des Seiles verloren. Aber nur fast! Sie preschten auf Gorgrim zu. Das Seil spannte sich mit einem Ruck, als es vom Leib des Hexenmeisters gebremst wurde. Der Schwung ließ die beiden Raben wilde Kreise um Gorgrim drehen, bis dieser mit beiden Armen fest an seinem Körper gefesselt war. Er fiel mit steifen Beinen auf den Hosenboden.
Smulla krabbelte geschwind den Rücken des Mannes hinauf und spann ein klebriges Gewebe um die zwei Enden des Seiles, sodass sie fest zusammenhielten.
Flirr setzte sich auf die Nase des Hexenmeisters, der nicht begriff, was geschehen war. Er war in eine hinterhältige Falle getappt.
„Macht mich looos, ihr Nichtsnutze!“, verlangte er zappelnd. „Sonst werdet ihr meinen ganzen Zorn zu spüren bekommen!“
„Ja, sicher!“, antwortete Flirr, der noch immer auf Gorgrims Nase thronte. „Und wie willst du das machen?“
Gorgrim schielte auf seine Nase und wollte nicht glauben, was hier geschah.
„Duuu!“, knurrte er. Wieder zappelte er, doch das Seil hielt ihn fest.
Querél landete zu den Füßen Gorgrims. Smulla krabbelte an seine Seite. Quábax nahm Forgon auf und legte ihn behutsam neben seine Freunde. Alle sahen sie Gorgrim in die Augen.
„Was wollt ihr von mir, ihr … iiihr! Also was?“, brachte Gorgrim, mehr trotzig als wütend, hervor.
„Ich will, dass du mir zuhörst!“, verlangte Querél.
Der Hexenmeister sah den Raben ungläubig an.
„Was, bei drei verfluchten Krähen, erlaubst du dir?“, polterte er.
„Es wird dein Schaden nicht sein, oder kennst du einen Zauber, um dich selbst zu befreien?“, sagte Querél ruhiger, als er innerlich fühlte.
Gorgrim klappte den Mund auf, um etwas zu Fluchen, aber er schloss in wieder. Bei meinem Barte, dachte er. In all den Jahrhunderten war ihm Vieles widerfahren, nie war er um einen Zauber verlegen. Doch diese unverschämte, kleine Gesellschaft hatte ihn tatsächlich außer Gefecht gesetzt!
„Ich höre!“, sagte er trotzig.
Querél hüpfte etwas näher.
„Weißt du, ich bin auch anders!“, fing Querél an und betonte besonders das Wort ‚anders’.
„Ich hab oft geweint, weil sie mich wegen meines Schnabels verspottet hatten. Sie haben dich auch verspottet, nicht wahr? Und du bist traurig deswegen!“
Gorgrims blickte überrascht in Queréls Augen. Er wollte etwas sagen, doch Querél ließ ihn nicht gewähren.
„Du hattest wundervolle Ideen und warst voller Tatendrang, aber sie haben dich nicht einmal aussprechen lassen und dich fort geschickt, weil sie Angst vor dem Neuen hatten und Angst vor deinem Wissen! Weißt du, Gorgrim, sie hatten etwas Gutes, etwas Besonderes, aber sie haben es falsch behandelt. Aber es ist auch wichtig, wie du deine Wut und deine Traurigkeit behandelst. Dass sie dir wehgetan haben, gibt dir nicht das Recht, es anderen gleich zu tun!“
Gorgrim blickte dem Rabenjungen lange in die Augen.
„Was den Jungen von dir unterscheidet ist, dass er nie der Wut und der Rache verfallen ist“, sagte Smulla, die an Queréls Seite trat. „Er hatte sicher Grund dazu, doch er tat es nie! Ich selbst bin auch anders. Ich wurde nie offen gedemütigt, doch ich konnte ihre Gedanken lesen und die ließen mir das Blut in den Adern frieren. Das machte mich wohl etwas wortkarg, aber ich ließ nicht zu, dass ich daran verbittere.“
Flirr, der noch immer auf Gorgrims Nase saß, weinte.
„Ich bin nich anders! Wieso bin ich nich anders?“, schniefte er und schnäuzte in ein winziges Taschentuch. Smulla sah ihn streng an.
Da fing Gorgrim an zu lachen. Erst ganz leise, dann zuckte es durch den ganzen Körper des gefesselten Hexers, bis sein Gelächter schließlich durch das Schloss schallte.
Die Gefährten sahen sich verwirrt an. Doch allmählich fielen sie auch in das Gelächter ein. Was war das für ein besonderes Bild!
Da verwandelte sich Gorgrims Lachen in haltloses Weinen und er posaunte schniefend all seine aufgestaute Traurigkeit heraus. Querél und Quábax hüpften auf die Beine Gorgrims und rieben tröstend ihre Flügelfedern an seinen Waden. Flirr setzte sich auf Queréls Rücken, noch immer seine Nase schnäuzend.
Gorgrim verstummte und sah die zwei Raben und die Stubenfliege an. Dann blickte er zu Smulla.
„Glaub jetzt bloß nicht, dass ich dich auch noch abschmuse!“, warnte sie. Gorgrim grunzte. Dann sah er Forgon an und sein Blick senkte sich.
“Was hab ich nur getan?“, fragte er verzweifelt.
„Schon gut!“, sagte Forgon, der genug davon hatte, auf irgendeiner Seite herumzuliegen. Egal, auf welcher Seite man lag, es war fürchterlich unbequem. „Bringt ich nur wieder heim!“
„Wenn wir dich nun wieder losbinden, wirst du dann wieder deine Blitze schießen?“, fragte Querél.
„Nichts dergleichen. Ich habe verstanden. Muss ich alter Weißbart noch von grünen Früchten lernen. Nein, seid versichert, ich habe meine späte Lektion verstanden!“, versprach Gorgrim.
Die Raben pickten die Enden des Seiles frei. Gorgrim knetete seine Hände und erhob sich mit protestierenden Gelenken. Er stemmte die Faust in die Hüfte, dass es knackte.
„Ich danke euch, meine kleinen Freunde! Ich lasse euch nun ziehen, denn ich habe viel zu tun! Fenster müssen in die Mauern geschlagen werden. Doch versprecht mir, euch eines Tages mal wieder sehen zu lassen!“
„Versprochen!“, sagte Querél.
„Und tut mir einen Gefallen!", bat Gorgrim. "Verlasst das Schloss durch das Portal. Die alte Hütte ist ramponiert genug!“ Da lachte der Hexenmeister schallend und seine neuen Freunde taten’s ihm gleich.

Flirr war auf der Rückreise sehr darauf bedacht, Querél zwischen sich und der Spinne zu haben. Die wurde von Quábax getragen. Querél trug Forgon. Somit konnte er sein Versprechen, Forgon einen Gefallen zu tun, vollenden.
Smulla ließ es sich nicht nehmen, dabei zu sein, wenn Forgon wieder nach Hause kommen sollte und gönnte sich diesen kleinen Umweg. Natürlich unter Flirrs empörten Protestrufen.
Als Forgon wieder in der Erde steckte, die Zeit seines Lebens sein Zuhause gewesen war, standen alle um ihn herum und waren stolz und glücklich. Sie hatten ein wahnsinniges Abenteuer gemeistert.
Der sentimentale Flirr wollte gar nicht aufhören, in sein Taschentuch zu schnäuzen.
„Versprecht ihr mir was?“, fragte Forgon.
„Klar!“, antwortete Querél. „Was?“
„Wenn ihr den alten Gorgrim mal besucht, nehmt mich bitte mit!“
„Fest versprochen!“, riefen alle, wie aus einem Munde.
Da schniefe Flirr trompetend los.
„Das ist ja sooo rüüührend!“, heulte er.
Smulla verdrehte genervt die Augen. Dann warf sie ein schönes, solides Netz um die kleine Fliege. Flirr schrie und wand sich.
„Ich wusste es! Die Spinne will mir an den Kragen!“
„Jaaa, ich fresssss Dich!“, zischte Smulla gefährlich.
Querél musste sich vor Lachen den Bauch halten. Alle anderen fielen mit ein. Flirr jammerte noch ein Weilchen, bis er merkte, das etwas verkehrt lief.
„Was? Wie? Huh?“ Er war des Netzes entledigt worden. Aber einen klaren Gedanken fassen konnte er nicht. „Ich bin noch heile?“
„Ja, du Stubenflitzer! So jemanden wie Dich, fress’ ich nämlich nicht!
Blöääär!“ Smulla schüttelte sich.
„Weißt du, Smulla ist eben auch anders! Sie bevorzugt Pflanzenkost!“
„Ja echt?“, fragte Flirr ungläubig. „Das wär’ dann ja wirklich mal was ganz anderes!“
ENDE
(ach, doch nicht!)
Dies war Querèls erstes Abenteuer. Ihr wart bei seiner Geburt dabei und habt die kleine Schwarzfeder ins "Teenageralter" begleitet. Seid beim nächten Mal wieder dabei, denn so vieles steht ihm, seinen Freunden und einigen ganz neuen Gefährten noch bevor. Dann geht es hinaus auf die hohe See und von Piraten und einem ausnahmsweise sehr aussergewöhnlichen Zweiwelt-Wesen namens Ferrhyn Flake, werdet Ihr erfahren! Wieder in einer kompletten Episode.
Versprochen!
Wann & wo?
In nicht allzu ferner Zukunft!
Papperlapapp! Im September geht's weiter mit
QUERÈL
und
Der Fluch von Ferrhyn Flake
Aber jetzt erstmal:

Anhang? Abgang? Wandbehang! Juppz, das passt. Hier noch was für an die Kammerwand:
Wer Schreibfehler findet, möge viel Freude daran haben. Wir sind halt anders :O)
Die Geschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären willkommen, wär'n aber nicht beabsichtigt. Das Copyright liegt beim Schreiberling, Biene Michalak (siehe Impressum Feenwald Bären®), die sich `n paar Wochen lang, die Nächte damit um die Ohren gehauen hat. Der Text darf zu privaten Zwecken
ausgedruckt werden (lesen bei Kerzenschein erwünscht!) Jedoch darf er nicht, auch nicht in Teilen, für gewerbliche Zwecke genutzt, oder andernorts veröffentlicht werden. Dankeföööön!
… und denkt immer daran:
Steine liegen nicht im Weg, um Euch aufzuhalten! Das ist’n uraltes Missverständnis! Ihr sollt sie nur nicht überseh’n, sie mitnehmen und Euer Schloss damit bauen! :O)
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